AKTUELLES

Stille Helden

Ethisch-philosophisch leben in »Zeiten wie diesen«

Helden – solche kennen wir aus den Märchen und Mythen oder aus den »Actionfilmen« – aus dem täglichen Sprachgebrauch sind sie so gut wie verschwunden. Wer kann oder will heute noch ein Held sein und wer nennt einen anderen Menschen »Held«? In beinahe zahllosen Artikeln und Fernsehnachrichten (oder im YouTube) lesen, sehen, hören wir von Verzweiflungstaten, von zunehmender Depression, von Burn-out und schwindender Zivilcourage. Immer mehr Menschen schauen zu oder weg oder fotografieren/filmen mit ihrem Handy oder ähnlichem, wenn Unrecht geschieht oder einen anderen ein Unglück passiert. Immer mehr verstecken sich in der anonymen Masse. Gibt es wirklich keine Helden mehr, sind wir nur von Feiglingen umgeben? Ich glaube nicht, denn wie es in den »Geleitworten den Führenden«, 64 heißt:

Nicht Worte, sondern die Anspannung im Raume drängt Führende zu einem unabänderlichen Befehl. In einer schweren Stunde ist es nützlich, die Furcht zu überwinden. Es ist besonders schwer, das Bewusstsein der Einsamkeit zu überwinden. In weisen Legenden wird oft daran erinnert, dass die Schlacht allein zu schlagen ist. Der Kämpfer ist in einer Person der Kundschafter, Ratgeber, Entscheider und Held. Es fällt auf, dass dieses aus dem Wortschatz der alten Welt stammende Wort »Held« fast gänzlich ausgelöscht wurde. Im Leben kleiner Herzen ist ein Held fehl am Platz. Lernt es, den Platz eines Helden einnehmen zu können. Die Welt wird oft von der Wirklichkeit des Heldentums erschüttert werden.
Mögen sich Kinder als Helden fühlen und sich die Eigenschaften herausragender Menschen zuschreiben. Man soll ihnen klar verständliche Bücher geben, in welchen das Antlitz des Willens und der Arbeit ohne süße Beschönigungen gezeigt wird. Selbst vom medizinischen Standpunkt aus ist ein derart motivierender Ruf des Lebens unbedingt erforderlich. Unverzüglich ist derartiges Material zur Verfügung zu stellen. Behütet die Wenigen, welche zu geben imstande sind.“
Des Menschen Heldentum – oder sein Ethos – liegt bei den meisten aber im Verborgenen. Im Hintergrund des Bewusstseins zwar allgegenwärtig, braucht es doch zumeist einen starken »Stoß des Schicksals« um nach OBEN, in den Vordergrund gerückt und offenbar zu werden. Je zwingender und härter dieser Anstoß war, desto bestimmter tritt dann der »sokratische Daimon« (unsere innere göttliche Stimme) auf die Bühne des Geschehens. Je extremer die Umstände sind, desto deutlicher zeigt er seine Gestalt. In der Liebe, im Kampf, in der Kunst und auch – oder besonders – beim Philosophieren, bei der Suche nach dem Wissen und der Wahrheit – hier zeigt sich des Menschen Eigenart oder eben seine »Bestimmung« am eindrucksvollsten.
Wahrscheinlich ist jeder von uns angesichts eines schweren Schicksalsschlags schon irgendwann über sich selbst hinausgewachsen, vielleicht auch bei der Hilfeleistung für einen oder mehrere Mitmenschen oder wenn es galt, ein Unrecht zu beseitigen. In solchen Momenten, in denen wir bewusst oder auch unbewusst unseren ganzen Mut aufnehmen, unsere Ängste und Zweifel überwinden und einfach unserem Herzen folgen – begegnen wir dem stillen Helden in uns. Wir sind deshalb noch kein »Superstar«, kein Mohandas K. Gandhi oder Martin Luther King, und doch haben wir jenen Aspekt in uns zum Handeln gebracht, der uns ständig ermuntert, unser Schicksal selbstbestimmt und mutig in die Hand zu nehmen und eben eine »rechte Handlung« zu vollbringen. Wer in solchen Momenten seinem Gewissen folgt, das offensichtlichte Recht über den eigenen Vorteil stellt, der wird in diesem Moment – oftmals sogar unbewusst – zu einem stillen Helden.
Um in einer Zeit, wie wir sie zur Zeit gerade erleben, ein stiller Held zu sein oder zu werden, bedarf es jedoch einiger Eigenschaften und Vorzüge, die man vielleicht schon hat oder die zu erreichen das Ziel jedes philosophisch denkenden Menschen sein sollte; zunächst am Beispiel der »überbordenden Technik«.

Das »Technologische Zeitalter«
In allen möglichen Medien können wir hören, sehen oder lesen, dass wir jetzt in einem technologischen Zeitalter leben, und es werden die vielen Vorteile gepriesen, die es mit sich bringt. Es wird heute fast alles systematisiert, in allen Bereichen unseres Lebens sind wir mit Computern, Mobiltelefonen und Elektronik konfrontiert, alle möglichen Maschinen ersetzen mehr und mehr die menschliche Arbeitskraft und nehmen uns teilweise sogar das Denken ab. Die neuesten Kommunikationsmöglichkeiten und der immer dichter werdende Flugverkehr lassen unseren Planeten in gefühlter Weise immer kleiner werden, aber auch die Zeit wird uns in vielen Bereichen »zu wenig«. Und doch wird uns vielfach erklärt, dass wir kurz davor stünden, das erträumte Paradies zu erreichen – einen Alltag mit vielen freien Stunden, eine Woche mit mehreren arbeitsfreien Tagen und so viel Urlaub wie nie zuvor.
Aber zu den vielen Annehmlichkeiten mit ihren ebensovielen Widersprüchen kommt in der heutigen Zeit noch ein weiterer hinzu, dem wir wegen seiner Bedeutung unsere besondere Aufmerksamkeit widmen sollten. Die technisierte Welt versucht auf alle denkbaren Arten uns das materielle Leben zu erleichtern wo immer es geht – zum Wohle unseres psychischen, mentalen und spirituellen Lebens wurde aber so gut wie gar nichts unternommen. Auf den Universitäten vegetieren die Geisteswissenschaften mit minimalsten Budgets vor sich hin, denn die großen materiellen Zuwendungen werden unter dem Diktat des Nützlichkeitswahns den Naturwissenschaften geopfert. Jetzt könnte ein besonders Kluger mit erhobenem Zeigefinger einwenden, dass es der Psychologie mit ihren Nebenfächern gelungen ist, den Menschen in verschiedene Typologien zu katalogisieren und damit – im Falle einer psychischen Erkrankung – seine Behandlung erleichtert zu haben. Ja, das ist richtig, aber das Katalogisieren von Menschentypen in Fachbüchern mit interessanten Grafiken löst in keiner Weise das praktische Problem eines sich selbst gegenüber hilflosen Menschen. Wenn man weiß, dass man ängstlich ist, heißt das noch lange nicht, diese Angst geheilt zu haben; und wenn ich weiß, eine überschäumende Phantasie zu besitzen, hilft das nicht bei deren Beherrschung.
Die Menschen können heute eine Unzahl von Maschinen und Geräten bedienen, sie sind aber unfähig mit einer Depression umzugehen, können ihre Instinkte nicht zähmen, ihren Zorn nicht bremsen und schon gar nicht ihre eigene Spiritualität erwecken. Und es ist keinesfalls so, dass sie das nicht wollen – viele würden es gerne tun – sie wissen aber nicht wie sie das anstellen sollen. Die hoch gepriesene Technologie hat sich weder für diese Probleme interessiert, noch konnte sie ein System (oder eine Software, am besten eine »App fürs Handy«) entwickeln, mit dem die Menschen diese subjektiven Probleme oder Unwägbarkeiten ihres eigenen Inneren bewältigen könnten oder zumindest damit umzugehen lernen.
Während Wissenschaft und Technik sich ständig weiterentwickeln und dadurch der materielle Komfort und der Luxus immer größer werden, versinkt der Mensch immer tiefer in einer Verzweiflung seines unzufriedenen inneren Ichs. Je mehr Freizeit er hat, desto stärker wird seine Angst; je größer sein Luxus ist, desto stärker wird seine Gier und er wird unfähig, mit sich selbst allein zu sein, denn er begreift nicht die verborgenen Möglichkeiten dieses ihn ständig begleitenden, wundersamen Gefährten – seinem wahren ICH.
Die Maschinen sind weit davon entfernt, jenen Dienst zu erweisen, für den sie eigentlich entwickelt wurden. Sie haben die menschlichen Kräfte an sich gerissen und den Menschen, den sie eigentlich befreien oder unabhängiger machen sollten, regelrecht versklavt. Wir können uns ein Leben ohne Uhren, Computer, Handys, Lifte, elektrische Apparate, Fernseher, Autos etc. gar nicht mehr vorstellen. Und der Mensch erscheint angesichts der Technologie, die er selbst geschaffen, unnütz – er wird zur menschlichen »Ressource« und unterwirft sich dem technischen Diktat.
• Wir sprechen von der Systematisierung von Daten, können unser inneres Leben aber selbst nicht organisieren.
• Wir kämpfen gegen eine unfassbare Umweltverschmutzung durch die Verbrennungsmotoren, durch eine nicht für mögliche gehaltene Menge an Plastikmüll, durch den radioaktiven Abfall der Atomkraftwerke, durch … usw., können aber die eigenen schlechten Gedanken und Gefühle nicht vermeiden.
• Wir bewundern die unglaublichen Geschwindigkeiten unserer Autos, Flugzeuge und Raketen – unsere eigene Erkenntnisfähigkeit können wir aber nicht beschleunigen.
• Wir sprechen von Frieden, von Liebe und von den Menschenrechten, sind selbst aber kaum mehr fähig ehrlich zu lieben und in Frieden zu leben; und noch weniger verstehen wir die Menschenrechte, und zwar aus dem simplen Grund, weil wir die Menschen selbst nicht mehr verstehen.
Technologisches Zeitalter? Befreiung? Beherrschung des Lebens? – Vergessen wir doch diese vielen widersprüchlichen Schlagworte und erkennen wir endlich, dass nur der Mensch selbst der Meister in der schwierigen und zugleich wundervollen Kunst der Selbsterkenntnis ist, die der Freiheit und dem Leben Sinn und Wert verleihen kann. Nur er kann eine sinnvolle Symbiose zwischen Technik und Spiritualität herstellen und zum Wohle der gesamten Menschheit einsetzen.
Ein »stiller Held« sollte deshalb versuchen eine »Neue Zeit der alten Wissenschaft« einzuleiten, indem er z. B. nur auf die Inschrift des Apollon-Tempels in Delphi am Hang des Parnass hinweist, wo wir Folgendes lesen können: »Gnothi Seautón«, »Erkenne dich selbst! Werde, der du bist«! Nämlich, so wie uns Sokrates erklärt hat, das zu erkennen, was der Mensch in seiner Wirklichkeit ist: „Eine den Körper bewohnende und gebrauchende – unsterbliche und gottähnliche Seele.“
Deshalb sollte es uns Menschen ein großes Lebensziel sein, ein Führer unserer gottähnlichen Seele zu sein oder jedenfalls danach zu streben ein solcher zu werden. Ist ein Mensch erst einmal auf einem solchen Weg und hat das Glück, einen geistigen Führer getroffen zu haben, dann sollte er auch versuchen, seinen ebenfalls den geistigen Weg suchenden Mitmenschen selbst als Führer zu dienen. Von solchen Führenden wird allerdings einiges erwartet und verlangt, wie wir z. B. in den »Geleitworten den Führenden« im Punkt 4 lesen können:
„Man könnte fragen, weshalb von Führenden und nicht von Regierenden gesprochen wird? Der Unterschied zwischen beiden ist gewaltig. Regierende lenken etwas bereits Bestehendes, also die Gegenwart, doch Führende offenbaren, in der eigentlichen Bedeutung des Wortes, die Zukunft. Sie haben nichts bereits Gestaltetes übernommen, sondern ihre Taten streben vorwärts und führen dadurch in die Zukunft. Regenten kennen das bereits Gestaltete, Abgeschlossene; doch Führende haben nichts, was vorher festgelegt worden wäre, sie müssen das Volk bis zum Gipfel der Vervollkommnung führen. Wenn die Last Regierender groß ist, so ist die Verantwortung Führender noch größer. Deshalb bestätigen die HÖHEREN KRÄFTE ihren Thron auch dort, wo die Zeichen wahrer Führerschaft vorhanden sind. Führende müssen unterscheiden können, wo Heuchelei und wo Aufrichtigkeit herrscht. Herzenstugend unterscheidet sich sehr von erzwungener Dienstbereitschaft; besonders Führende müssen diese Eigenschaften klar voneinander unterscheiden können.
Viele haben gelesen, dass David die HÖHEREN KRÄFTE um Rat fragte. Er eilte zu dieser Quelle, um unnötige Fehler zu vermeiden. Solche Beispiele gibt es viele in der Geschichte verschiedener Völker. Jeder kennt sie. Man braucht sich nicht einmal in alte Zeiten zu versenken, auch bei neuesten Ereignissen sind diese Zeichen der HOHEN VERBINDUNG und des GROSSEN DIENENS sichtbar. Wir wissen auch, dass die HOHE VERBINDUNG ein reines Herz erfordert. Unreinen kann die Möglichkeit nicht gegeben werden, daher wird die BEISPIELHAFTE Herzensreinheit Führende kennzeichnen. Nicht nur in ihren Taten, sondern auch in ihren Gedanken bringen Führende den Völkern das Wohl. Sie wissen, dass es ihnen anvertraut wurde, einen vollen Kelch zu bringen, ohne sich in Irrwegen zu verlieren. Sie werden den anvertrauten Kelch nicht verschütten – somit sind die Ideen und Vorstellungen von Führenden Kennzeichen der ZUKUNFT.“
Damit in der Zukunft der Menschheit ein besseres »Miteinander und Zusammenleben« gelingt, können uns aber auch Lehren aus der Vergangenheit hilfreich sein, welche uns wieder neue Aspekte eines ethischen Lebens aufzeigen. Dazu passend habe ich einen Text in dem »Buch der Goldenen Regeln« gefunden, abgedruckt im Buch »Die Stimme der Stille« und übersetzt mit dem Bemühen die Schönheit dieser Sprache wiederzugeben von Helena Blavatzky:
„Handle du heute für sie, und sie werden morgen für dich handeln. Es ist die Knospe der Selbstverleugnung, aus der die süße Frucht der endgültigen Befreiung entspringt. – Zum Untergang verurteilt ist, wer es unterlässt, dem Menschen zu helfen aus Furcht vor Mára, aus der Furcht, für sein eigenes Selbst zu handeln. Der Pilger, der seine müden Glieder im dahinfließenden Wasser kühlen möchte, jedoch aus Angst vor der Strömung nicht hinein zu tauchen wagt, läuft Gefahr, der Hitze zu erliegen. Untätigkeit aus selbstsüchtiger Furcht kann nur üble Frucht tragen.
Der selbstsüchtige Eiferer lebt ohne Ziel. Der Mensch, der die ihm gestellte Aufgabe in seinem Leben nicht erfüllt – hat vergebens gelebt. Folge dem Rat des Lebens, folge dem Rat der Pflicht gegenüber der Menschheit und der Familie, gegenüber Freund und Feind, und verschließe dich der Lust und dem Schmerz. Erschöpfe das Gesetz karmischen Ausgleichs. Erwirb Siddhis (»übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten«) für deine künftige Wiedergeburt. Kannst du nicht Sonne sein, so sei ein bescheidener Planet. Ja, wenn es dir versagt ist, gleich der Mittagssonne auf den schneebedeckten Berg ewiger Reinheit herab zu strahlen, dann o Anfänger wähle einen bescheideneren Weg.
Weise den Weg – mag er auch unbedeutend sein und sich verlieren in den himmlischen Scharen –, so wie der Abendstern jenen leuchtet, die ihren Pfad im Dunkeln gehen. Sieh auf zu Migmar (Mars), sieh, wie sein Auge in roten Schleiern über die schlummernde Erde schweift. Sieh die feurige Aura der Hand des Lhagpa (Merkur), ausgestreckt in schützender Liebe über den Häuptern seiner Asketen. Beide sind nun, da er fern ist, »Dienende Nyimas« (Sonnen), zurückgelassen als stille Wächter in der Nacht. Und doch waren beide in vergangenen Kalpas strahlende Nyimas und mögen in künftigen Tagen wieder zwei Sonnen werden. So ist das Fallen und Steigen des karmischen Gesetzes in der Natur.
Sei wie sie, o Lanu. Gib Licht und Trost dem mühevollen Pilger, und suche den, der noch weniger weiß als du, der in erbärmlicher Verlassenheit nach dem Brot der Weisheit hungert und nach dem Brot, das den Schatten nährt – ihn, der ohne Lehrer, ohne Hoffnung oder Trost ist, lass das Gesetz hören. Sag ihm, o Aspirant, wer Stolz und Eigennutz zu Dienern seiner Hingabe macht, wer noch am Dasein haftet und dennoch seine Geduld und seinen Gehorsam dem Gesetz unterwirft, gleich einer zu Füßen des Shakya-Thub-pa (Buddha) gelegten lieblichen Blume, der wird noch in dieser Geburt ein Srótápatti. Die Siddhis der Vollendung mögen noch in weiter Ferne liegen; doch der erste Schritt ist getan, er ist in den Strom eingetreten und kann das scharfe Auge des Bergadlers und das feine Ohr des scheuen Rehs erlangen. Sag ihm, o Aspirant, dass wahre Hingabe ihm das Wissen wiederzubringen vermag, jenes Wissen, das er in früheren Geburten besaß. Deva-Sicht und Deva-Gehör werden nicht in einem kurzen Leben erworben.
Sei bescheiden, wenn du Weisheit erlangen willst. Sei noch bescheidener, wenn du Weisheit besitzt. Sei wie der Ozean, der alle Ströme und Flüsse in sich aufnimmt. Des Ozeans machtvolle Ruhe bleibt unbewegt, er spürt sie nicht. Zügle dein niederes Selbst durch dein Göttliches Selbst. Zügle das Göttliche durch das Ewige.
Ja, der ist groß, der die Begierde tötet. Noch größer ist der, in dem das Göttliche Selbst sogar das Wissen um die Begierde vernichtet hat. Beherrsche das Niedere, damit es da Höhere nicht befleckt. Der Weg zur endgültigen Freiheit liegt in deinem SELBST. Dieser Weg beginnt und endet außerhalb des Selbst (damit ist gemeint das persönliche, niedere Selbst).
… Keinem Kämpfer kann je das Recht verweigert werden, den Pfad zum Schlachtfeld zu betreten. Denn entweder wird er siegen oder fallen. Wahrlich, wenn er siegt, so wird Nirvána ihm gehören. Noch ehe er sein mühseliges Leben befreit hat von seinem Schatten, diesem fruchtbaren Schoß aller Qualen und unermesslichen Schmerzen – wird man ihn als großen und heiligen Buddha verehren.
Und selbst wenn er fällt, so fällt er doch nicht vergebens; die Feinde, die er in der letzten Schlacht erschlagen, sie werden bei der nächsten Geburt, die ihm beschieden ist, nicht wieder zum Leben erwachen.“
Welche »Feinde« hier gemeint sind werden wohl die meisten Leser erahnen, besonders dann, wenn sie sich auch mit dem großen indischen Epos der Bhagavad Gita und der großen Schlacht am Feld von »Kurukschetra« auseinandergesetzt haben. Gemeint sind damit unsere intellektuellen Kräfte, Begierden, Neigungen, Leidenschaften, welche uns aber auch als »Lehrer« hilfreich sein können, denn durch die von ihnen gewonnenen Erfahrungen kann sich der Mensch Stufe für Stufe zur Selbsterkenntnis emporschwingen. Deshalb ist jeder von uns aufgerufen, so wie Arjuna, der Held in der Bhagavad Gita, den Bogen wieder zu spannen und den Kampf gegen diese »Feinde« aufzunehmen.

Günter Fischwenger, Fortsetzung folgt.

Quellenhinweise: Delia Steinberg Guzmán: Der Held im Alltag; Neue Akropolis Eigenverlag, ISBN 3-9501438-0-7 • Geleitworte den Führenden, Spirale-Verlag GmbH, deutsche Redigierung R. M. Stangl; ISBN 3-928721-22-4 • Auszüge aus dem »Buch der Goldenen Regeln«; Übersetzung und Anmerkungen von H. P. Blavatsky, ADYAR Theosophische Verlagsgesellschaft, 2. Auflage; ISBN 3-927837-47-4.